beutnerweb

Ulrike Beutner absolvierte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und anschließend zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Sie war 8 Jahre als Büroallroundkraft tätig, bevor sie Mutter von drei Kindern wurde und ihre Berufstätigkeit für 17 Jahre unterbrach.

Wie haben Sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet?
Zum Ende der Grundschulzeit meines jüngsten Kindes kam der Wunsch auf, wieder in Teilzeit beruflich einzusteigen und dadurch auch einen finanziellen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Zuerst habe ich einfach so ein paar Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. Vielleicht lag es daran, dass ich mich auf Aushilfstätigkeiten (Minijobs) beworben hatte. Eine Freundin machte mich dann auf den speziell für Wiedereinsteigerinnen von der KVHS und der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft konzipierten Kurs „Zurück in den Beruf“ aufmerksam. Zu den Kursinhalten gehörten EDV-Module sowie die Themen Bewerbung und Berufswegplanung. Eigentlich hatte ich den Kurs wegen der EDV-Inhalte gebucht. Im Nachhinein erwiesen sich die Bewerbungsthemen als mindestens ebenso wichtig. Eine sehr hilfreiche Erfahrung war, die eigenen Stärken herauszuarbeiten, auf den Punkt zu bringen und anderen konkret mitzuteilen: „Das ist meins, das macht mich aus, das macht mir Freude und liegt mir“. Ganz wichtig war auch die motivierende Unterstützung der Kursleitung frei nach dem Motto „Tschakka – Du schaffst das!“

Wie haben Sie Ihren Job nach Ihrer Familienphase gefunden?
Die vakante Position als kaufmännische Mitarbeiterin mit den Aufgabenschwerpunkten vorbereitende Buchhaltung und Provisionsabrechnung in einem Handelsunternehmen in Teilzeit (20 Stunden pro Woche) war Anfang 2015 als Kleinanzeige im Nordheide Wochenblatt veröffentlicht. Ein kurioser Zufall war, dass ich in dem Unternehmen meine Ausbildung gemacht hatte. Ich zögerte erst mit der Bewerbung, doch die Kursleiterin riet mir, gleich aktiv zu werden und persönlich um ein kurzes Gespräch zu bitten. Mit Herzklopfen klingelte ich dann einfach beim Unternehmen, ohne mir vorher bestimmte Fragen oder Sätze genau überlegt zu haben. Ich wollte das Gespräch relativ spontan führen und einfach mitteilen, worum es mir geht. Der Geschäftsführer erkannte mich nach so langer Zeit erst nicht wieder, doch dann kamen wir sehr nett miteinander ins Gespräch. Es folgte noch ein ganz offizielles Vorstellungsgespräch.

Haben Sie Tipps für Frauen, die wiedereinsteigen wollen?
Mutig sein und Initiative zeigen! Mein Motto ist: „Machen – nicht reden!“ Außerdem habe ich den Eindruck, dass Frauen oft den perfekten Job suchen, wo gleich alles stimmt. So ein perfekter Job lässt vielleicht lange auf sich warten und vielleicht gibt’s den auch gar nicht. Mein Tipp ist, etwas auszuprobieren und dann zu schauen, wie es sich entwickelt. Wenn ein Job gar nicht passt, kann man ja immer noch gehen.

Hat sich im Büroalltag etwas verändert?
Aufgrund der Digitalisierung habe ich mir den Büroalltag überwiegend papierlos vorgestellt. Zu meinem Erstaunen war das nicht so. Aufgrund von Zertifizierungsvorgaben muss vieles auf Papier dokumentiert werden und auch Rechnungen müssen ausgedruckt vorliegen. Ansonsten gibt es natürlich wenig Post und viel Online-Korrespondenz. Außerdem werden im Gegensatz zu früher mehr Aufgaben an spezielle Dienstleister übertragen. Beispielsweise übernehmen heute Logistikzentren die Lagerhaltung.

Wie war die erste Zeit im Job? Was empfehlen Sie Wiedereinsteigerinnen?
Die ersten Wochen waren schon aufregend. Geholfen hat mir die Einstellung „das kapier ich schon irgendwie“. Mein Rat für Berufsrückkehrerinnen ist auch hier, keine Angst zu haben und sich zu trauen.

Konnten Sie an alte Erfahrungen anknüpfen? Fehlten noch Kenntnisse?
Der Kurs „Zurück in den Beruf“ war EDV-mäßig eine gute Vorbereitung. Ansonsten muss man sich ja bei jedem Job in die spezifischen Themen einarbeiten.

Welche EDV-Kenntnisse werden in Ihrem Job gebraucht?
Ich mache Provisions- und Reisekostenabrechnungen mit Excel. Die Korrespondenz erledige ich per E-Mail bzw. mit Word. Für Terminplanung und Zeitmanagement wird Outlook verwendet. Hinzu kommt ein spezielles Warenwirtschaftsprogramm, das relativ einfach zu erlernen war.

Wie war es nach 17 Jahren wieder englisch zu sprechen und Korrespondenz auf Englisch abzuwickeln?
Nach ein bis zwei Wochen waren meine Englischkenntnisse wieder präsent. Auch da kann ich Wiedereinsteigerinnen Mut machen: Die alten Englischkenntnisse hat man ja noch im Gedächtnis gespeichert. Sie lassen sich leicht wieder ausgraben.

War die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Problem?
Das Leben als berufstätige Mutter ist nicht mehr so kuschelig, dafür aber auch nicht mehr langweilig. Mit dem beruflichen Wiedereinstieg verlässt man die Bequemzone und das Leben bekommt mehr Würze. Vieles lässt sich organisieren und die Heranwachsenden werden durch die Übernahme von Aufgaben gut auf ihr späteres Leben als selbständige Erwachsene vorbereitet. Kinder können ja schon viele Arbeiten im Haushalt übernehmen. Hier hilft die Einstellung „Wer mit Computer und Handy bestens umgehen kann, der schafft es auch, eine Waschmaschine zu bedienen.“ Man braucht ja nur etwas Zeit, um ihnen etwas beizubringen. Hilfreich ist es auch, sich vom Perfektionismus zu verabschieden und das Leben mit Gelassenheit zu betrachten – wenn’s mal (wieder) chaotisch läuft. Und von Kindern geschälte Kartoffeln sind vielleicht weniger ansehnlich, schmecken aber genauso.

Was ist Ihr Fazit?
Ich bin sehr zufrieden mit meinem geglückten Wiedereinstieg. Ich freue mich, dass ich beides habe: einen interessanten Job mit netten Kollegen und Zeit für die Familie. Prima finde ich, beruflich wieder Fuß gefasst zu haben, bevor meine Kinder das Haus verlassen.