siebenbrodtwebDorit Siebenbrodt lernte Reiseverkehrskauffrau und absolvierte ein Wirtschafts-Studium mit den Schwerpunkten Tourismuswirtschaft sowie Rechnungs- und Finanzwesen. Nach langjähriger Leitung in der Schneverdingen-Touristik wechselte sie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in eine Teilzeit-Tätigkeit in Lüneburg - heute ist sie in Vollzeit bei der IHK tätig.

Es folgten nach der Beschäftigung in der Schneverdingen-Touristik ein zunächst befristeter Vertrag als Mitarbeiterin bei der Leuphana Universität im International Office, danach Leitungstätigkeiten im Bildungsbereich und bei einem sozialen Verein sowie mehrjährige Tätigkeit als Buchhalterin. Seit August 2018 ist Siebenbrodt Beraterin Regionalentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHK) in Vollzeit.

Haben Sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet? Haben Sie Tipps für die Jobsuche?
Bei meiner ersten Wiedereinstiegsphase suchte ich eine Teilzeitstelle und habe über einen von der Agentur für Arbeit geförderten Vollzeit-Kurs meine EDV-Kenntnisse aufgefrischt. Ich habe sehr viel gelernt und es hat sich gelohnt, für die Fortbildung meine „Komfortzone“ zu verlassen. Mein Tipp für Wiedereinsteigerinnen: Vieles lässt sich organisieren! Nachbarn, Freunde und Verwandte helfen gern. Mutig sein, sich selbst und auch den Kindern etwas zutrauen! Über die Agentur für Arbeit konnte ich bei meiner letzten Suchphase an einem individuellen beruflichen Coaching teilnehmen. Mir wurde hierdurch klar, was ich wirklich gern mache und gut kann und dass mich die Tourismusbranche noch immer sehr interessiert. Zudem habe ich hilfreiche Unterstützung durch die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft bekommen, insbesondere durch Beratung, Infoveranstaltungen und ein passendes Stellenangebot.

Was meiner Erfahrung nach außerdem wichtig ist: gedanklich flexibel bleiben! Damit meine ich: sich nicht nur auf eine bestimmte Tätigkeit fixieren und zeitlich mehrere Möglichkeiten erwägen. Vielleicht passt ja ein Job nicht nur vormittags, sondern auch zweimal die Woche ganztags? Bei kurzen Arbeitswegen lässt sich vielleicht eine lange Mittagspause arrangieren? Eine Freundin radelt beispielsweise mittags nach Hause, kocht, betreut die Kinder und fährt danach wieder zur Arbeit.

Vielen ist zudem nicht bewusst, dass Jobsuche ein Teilzeitjob ist. Internetrecherche und passgenaue Bewerbungen erfordern Zeit: Wenn eine interessante Marketing-Position angeboten wurde, habe ich entsprechende Erfahrungen in einem Lebenslauf betont, analog bei Stellenangeboten im Rechnungswesen. Ich war in geeigneten Jobbörsen unterwegs und habe dort mein Profil hinterlegt, und ich habe mich über die Websites von Unternehmen über Online-Formulare beworben. Also dran bleiben! Aktiv sein!

Bei Bewerbungen und in Vorstellungsgesprächen ist es nach meiner Erfahrung förderlich, authentisch zu bleiben und sich auf die eigenen Stärken und auf das, was man gern macht, zu konzentrieren. Dann kommt man automatisch kompetent und sympathisch rüber.

Soziale Netzwerke wie Xing, Facebook, Instagram nutzen, damit man mitreden kann, up-to-date bleibt. In kleinen Firmen pflegt man in der Regel die Website selbst. Für den Einstieg empfehle ich eine Online-Marketing Fortbildung, zum Beispiel bei der VHS.

Wie haben Sie Ihre Jobs nach Ihrer Familienphase gefunden?
Der Wiedereinstieg nach dem ersten Kind beim bestehenden Arbeitgeber Stadt Schneverdingen war ganz einfach. Eigentlich wäre es ideal, in einem bestehenden Arbeitsverhältnis Kinder zu bekommen. Leider klappt das nicht immer.
Den Job nach der zweiten Elternzeit von einem Jahr habe ich durch den Tipp einer Freundin gefunden. Sie hatte mich auf eine Stellenausschreibung auf der Website der Leuphana Universität aufmerksam gemacht. Die nachfolgenden Stellen habe ich über verschiedene Wege gefunden: über den Stellenmarkt der Landeszeitung für die Lüneburger Heide, den Personalpool der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft und über die Jobbörse der Arbeitsagentur. Außerdem haben Freundinnen mir regelmäßig auch Tipps gegeben, wenn Sie eine Stellenanzeige gesehen haben, die auf mich passen könnte.

Wie war die erste Zeit im Job? Haben Sie Tipps für Frauen, die wiedereinsteigen?
Spannend und auch anstrengend, weil es so viele neue Informationen gab. Mutig sein, sich das zutrauen, immerhin hat der Arbeitgeber sich ja für Sie entschieden. Bei Fragen einfach die neuen Kollegen fragen. Und akzeptieren, dass man in einem neuen Job nicht alles wissen kann/ muss.

War bzw. ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Problem?
Es ist anstrengend, doch es funktioniert. Wichtig ist, dass der Partner und die Kinder „mitziehen“ und man sich traut, zu fragen: die Nachbarn als Ansprechpartner für die Kinder, andere Eltern für Fahrgemeinschaften. Meine Mutter, die als die Kinder noch im Kindergarten waren, regelmäßig geholfen hat und jetzt bei Bedarf mal ein Mittagessen kocht, war eine große Hilfe! Außerdem müssen die Kinder, die jetzt 12 und 15 Jahre alt sind, im Haushalt mithelfen.

Was ist Ihr Fazit?
Frauen, die auf Jobsuche sind, sollten ihre Netzwerke nutzen! Viele Hinweise auf Stellenangebote oder wertvolle Hintergrundinformationen bekommt man über Kontakte. Auch hinsichtlich Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist persönliche Vernetzung hilfreich. Frauen sollten vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten wie z.B. die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft nutzen und sich auch bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden. So können Sie ggf. einen Bildungsgutschein für berufliche Qualifikationen bekommen oder ein pesönliches Coaching. Es lohnt sich, bei der Jobsuche am Ball zu bleiben und Einsatz zu zeigen! Frauen sollten mutig sein und sich etwas zutrauen.