bestpr2Gymnasiallehrerin (51 J.)

Lehramtsstudium, Journalismus, mit 41 Jahren und als Mutter von drei Kindern Referendariat und beruflicher Einstieg als Lehrerin.

Was haben Sie beruflich vor Ihrer Familienphase bzw. Ihrem Wiedereinstieg gemacht?
Abitur, Buchhändlerlehre, Studium Lehramt mit den Fächern Deutsch und Philosophie, parallel freie Mitarbeiterin in einer Lokalredaktion der Westdeutschen Zeitung, Abschluss mit 1. Staatsexamen.

Als mir nach dem Studium das ersehnte Zeitungsvolontariat angeboten wurde, war unser erstes Kind schon da. Aufgrund der Arbeitszeiten habe ich mich daher dagegen entschieden. Ich hatte Glück und konnte stattdessen in Teilzeit als Medien-Redakteurin in einer IT-Firma arbeiten. Im Jahr 2000 wurde das zweite Kind geboren, ein Jahr später zogen wir nach Lüneburg und 2002 folgte ein drittes Kind. Mein Mann war beruflich sehr stark eingebunden und ich zunächst nicht berufstätig.

2006 rief ich meinen früheren Arbeitgeber in Köln an und fragte, ob ich einige Stunden und gelegentlich von zu Hause aus für die Firma arbeiten könne. Die Antwort war positiv und es tat mir gut, mich dank dieses Minijobs wieder langsam an eine Berufstätigkeit zu gewöhnen. Zudem stärkte das auch mein Gefühl, dass ich etwas kann, denn mein Selbstwertgefühl hatte aufgrund der sechs Jahre zu Hause abgenommen.

Haben Sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet? Haben Sie Tipps für die Jobsuche?
Den entscheidenden Schub für meine weitere berufliche Entwicklung bekam ich erst durch den Kurs „Neu-Starten in den Beruf“, angeboten von der VHS Lüneburg in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft. Das Bewerbungstraining war sehr hilfreich und hat mir Sicherheit gegeben, dass meine Bewerbungsunterlagen wirklich gut und up-to-date sind. Zudem hat der Kurs mein Selbstbewusstsein gestärkt und ganz viel Energie und Mut freigesetzt. Außerdem trägt eine solche Gruppe durch die gegenseitige Unterstützung und es tut gut, mit gleichgesinnten Frauen in einem Boot zu sitzen.

Zudem habe ich mich übrigens auch bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend gemeldet und über deren Akademiker-Team an interessanten Workshops teilgenommen und wertvolle Tipps für die Jobsuche bekommen.

Ab 2008 war ich als Redakteurin für ein Fachmagazin in der Region tätig. Den Kontakt zum Unternehmen hatte eine Freundin auf meine Bitte hin arrangiert. Zufälligerweise suchte diese Firma gerade jemanden für die Redaktion, da eine Mitarbeiterin in Elternzeit ging. Diese Erfahrung zieht sich durch mein ganzes Berufsleben: Es ist hilfreich, sich bei jeder Gelegenheit mit anderen Menschen auszutauschen, Fragen zu stellen und auch zu sagen, in welche Richtung man sich entwickeln möchte, was man sucht. Viele Menschen sind hilfsbereit, stellen gern einen Kontakt her oder informieren über die Tätigkeiten und Erfahrungen in ihrem Job bzw. ihrer Branche. Glückliche Zufälle tun sich auf, Wege werden sichtbar!

Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass die beruflichen Perspektiven im Journalismus schwierig sind. Da ich inzwischen ein starkes Interesse an einer sozialen Tätigkeit hatte, erwog ich, doch noch ein Referendariat zu machen und Lehrerin zu werden. Das schien zunächst mit meiner für Niedersachsen ungewöhnlichen Fächerkombination nicht realisierbar. Doch dann eröffnete sich nach einiger Recherchearbeit die Möglichkeit, ein Referendariat in Hannover zu machen. Aufgrund der Entfernung erschien diese Option zunächst utopisch.

Wie war die erste Zeit im Job? Haben Sie Tipps für Frauen, die wiedereinsteigen?
Mit 41 Jahren begann ich mein zweijähriges Referendariat in Hannover, das mich sehr forderte. Glücklicherweise bekam ich von allen Seiten Unterstützung und es war sehr spannend, etwas Neues zu lernen! Mein Mann betreute am Wochenende die Kinder und eine wunderbare Kinderfrau, selbst Mutter von vier erwachsenen Kindern, versorgte sie liebevoll und zuverlässig an 3 - 4 Nachmittagen in der Woche. Im Nachhinein erwies es sich sogar als vorteilhaft, das Referendariat in Hannover zu machen, denn sonst hätte ich vielleicht keine Kinderfrau eingestellt, sondern Kochen und Kinderbetreuung selbst erledigt. So hatte ich den Kopf frei und konnte während der Bahnfahrt arbeiten.

Vor und während meines Referendariats habe ich bereits Kontakt zu Schulen in Lüneburg hergestellt und dort hospitiert. Das erwies sich später bei der Jobsuche als sehr hilfreich.

Was ist Ihr Fazit?
Man braucht ein Ziel und den Willen, das zu schaffen!

Unterstützer finden! Neben Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit ist die Unterstützung durch den Partner, durch das soziale Umfeld bzw. durch eine Haushaltshilfe plus Kinderbetreuung ganz entscheidend.

Aktiv werden! In Kontakt gehen! Wenn ich mich bewege, dann bewegt sich auch etwas! Dann ergeben sich Möglichkeiten und es gehen Türen auf!

Den Dingen eine Chance geben! Frauen sollten Optionen, die erstmal utopisch erscheinen, eine Chance geben anstatt sie mit „ja, aber“ sofort auszuschließen.