welschofwebDie Diplom-Oecotrophologin (Jahrgang 1964) und Mutter zweier Kinder Ute Welschof machte Karriere in der Pharmaindustrie und als selbständige Führungskräftetrainerin. Danach erfolgte ein Wechsel in die pädagogische Betreuung von Grundschulkindern.

 

Was haben Sie beruflich vor Ihrer Familienphase bzw. Wiedereinstieg gemacht?
Da ich mein erstes Kind schon Ende des Studiums mit 23 Jahren bekommen habe, gab es bei mir keine klassische Familienphase bzw. den Wiedereinstieg. Alles ging nahtlos ineinander über. Direkt nach dem Examen war ich für 3 Jahre Dozentin für Ernährungslehre und Diätetik an mehreren Krankenpflegeschulen in Bonn und Köln. In der Zeit kam auch mein 2. Sohn zur Welt. Mein Mann, mit Unterstützung einer lieben Kinderfrau und nahe wohnenden Schwiegereltern, unterstützte mich dabei, dass ich erste berufliche Schritte gehen konnte. Anschließend war ich in Vollzeit als Klinikreferentin für „Enterale Ernährung“ in Krankenhäusern und Pflegeheimen in Nürnberg/Franken tätig. Das erste halbe Jahr war eine schwierige Familienzeit, da ich unter der Woche in Nürnberg war und mein Mann mit den beiden kleinen Kindern in Bonn wohnte. Auch da habe ich es meinem Mann zu verdanken, dass er mir immer wieder sagte: „Du schaffst das – wir schaffen das.“ Nach 6 Monaten wohnten wir wieder alle zusammen nahe bei Nürnberg. Nach 1,5 Jahren stieg ich zur Juniortrainerin auf und war verantwortlich für die Ausbildung von Pharmareferenten. Dies war abermals mit einem Umzug (nach Wiesbaden, dem Sitz des Unternehmens) verbunden. Meine Familie zog dieses Mal direkt mit, und mein Mann fand seine Wunscharbeit in Frankfurt. Nun war mein Mann dran. Ich reduzierte meine Arbeitszeit auf 75 %, zum Preis, dass ich nun von allen Beförderungen / Weiterbildungen ausgeschlossen war. Teilzeit zu arbeiten war „nicht gewünscht“. Sie gaben mir 1,5 Jahre, nach denen ich wieder 100% arbeiten musste. In dieser Zeit bekamen wir von Au-Pair-Mädchen bzw. Kinderfrauen Unterstützung in der Betreuung unserer Kinder. Um mehr für die Kinder da zu sein, machte ich mich nach 7 Jahren als Trainerin selbständig und bekam direkt die Chance zu einem Assessment bei der DB und die Aufnahme in den Trainerpool. Dort lernte ich Kollegen kennen, die mich in andere Projekte mitnahmen. So füllte sich mein Auftragsbuch recht schnell. Das war eine schöne Zeit: Zeit für die Kinder und tolle Arbeit!

Kennzeichnend für mich ist, dass ich immer neugierig war und mich permanent weitergebildet habe. Sowohl während meiner Festanstellung, als auch dann in meiner Zeit der Selbständigkeit. Ich lernte fachlich immer weiter dazu, aber auch neue Menschen kennen - mein Netzwerk wuchs. Beides halte ich für „Schlüssel“, um beruflich erfolgreich zu sein.

Nach meiner Scheidung, ich war 45 Jahre alt, suchte ich Sicherheit durch ein geregeltes Einkommen. Ich bewarb mich als Trainer und Coach - wieder in der Pharmaindustrie - und bekam die Stelle. Für 2 Jahre betreute ich Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Dann lief das Projekt aus, und ich zog für die neue Stelle von Wiesbaden nach Lüneburg, von wo aus ich nun Niedersachsen und Schleswig-Holstein betreute. Auch dies halte ich für eine „Schlüssel-Sache“: bereit sein, für die Arbeit umzuziehen.

Nach 23 Jahren „auf der Straße“ und wohnen „im Hotel“ wollte ich nicht mehr und kündigte. Ich erlaubte mir ein Sabbatical und sortierte mich neu. Ein neues Thema trat in mein Leben: „wer kümmert sich zukünftig um unsere inzwischen betagten Eltern?“ So bekam meine damalige Jobsuche eine neue Priorität: ein Job in Lüneburg, der Zeit für die Betreuung meiner pflegebedürftigen Eltern übrig lässt und der zudem etwas mit Menschen zu tun haben sollte, gern im pädagogischen oder pflegerischen Bereich. Nach Hospitationen in der Altenpflege und im Kindergarten entschied ich mich für den pädagogischen Bereich und begann zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin - die für mich noch 3 Jahre Schule und 3 Jahre kein Geld bedeutete. Nach 3 Monaten habe ich abgebrochen, weil ich eine bezahlte Teilzeitstelle als pädagogische Mitarbeiterin in einer Grundschule gefunden habe.

Haben Sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet? Haben Sie Tipps für die Jobsuche?
Neben den oben bereits genannten „Schlüssel-Tipps“ könnte folgendes weiterhelfen:

  • Frauen sollten sich folgende Fragen stellen: „Wenn ein Weg nicht geht, was würde mich dann auch noch interessieren?
  • Auch sollten sie nicht „im eigenen Saft braten“, um ihr Ziel zu erreichen. Sie sollten mit anderen darüber sprechen, dann kann das Umfeld mithelfen, das Ziel zu erreichen.
  • Wenn das Leben eine Weichenstellung fordert, steht eine Entscheidung an. Dann macht es nach meiner Erfahrung Sinn, in die Ruhe zu gehen, sich selbst zuzuhören und zu prüfen, was man will. Dafür ist oftmals eine kleine Auszeit, ein Aufenthalt an einem unbekannten Ort hilfreich. „Es kommt etwas in Bewegung, wenn man neu schauen kann, was macht das mit mir, dass ich allein bin, dass die Umgebung unbekannt ist?“
  • Frauen haben manchmal zu wenig Selbstbewusstsein. Hier könnte ein/e Mentor/in helfen, der oder die sie stärkt.

Was ist Ihr Fazit?
Ausdauer haben, dran bleiben, aktiv sein! Eine Frau braucht die Unterstützung des Mannes und einiger anderer Menschen - sowohl mental als auch praktisch - wenn sie berufstätig ist und die Kinder noch klein sind. Frauen sollten sich öfter eine kleine Auszeit fürs Alleinsein in einer neuen Umgebung nehmen, insbesondere für wichtige Entscheidungen. Zielklarheit ist wichtig, insbesondere sollte das Ziel attraktiv genug sein, dass ich dran bleibe. Wenn das Ziel klar ist, sollten Frauen nicht im stillen Kämmerlein sitzen bleiben, sondern das Ziel bzw. die Idee nach außen geben.